Aufsätze
- Michael Schroth: Figurationen des Ehrenamtes in einer Freikirche Verflechtungszusammenhänge, Identitätskonstruktionen und Machtbalancen zwischen Pastor:innen und Ehrenamtlichen in Freien evangelischen Gemeinden→ English Summary
- Dietmar Nowottka: Wofür ist das Ehrenamt eine Lösung? → English Summary
Predigtwerkstatt
- Judith Eggers: Kreislauf des Glaubens Predigt zu Philipper 2,6-16
- Kommentar zur Predigt von Judith Eggers (Lea Herbert)
Zum Inhalt
Ehrenamtlicher Mitarbeit kommt in vielen Freikirchen eine herausgehobene Bedeutung zu. Hier wird das Priestertum aller Gläubigen in der Mitarbeit möglichst vieler anschaulich. Zugleich ist das Ehrenamt kaum Thema innerhalb freikirchlicher praktischer Theologie. Deshalb behandelt dieses Theologische Gespräch das Thema Ehrenamt aus freikirchlicher Perspektive in Form eines Gesprächs, indem Dietmar Nowottka auf den Artikel von Michael Schroth aus der Sicht eines systemischen Beraters und Organisationsentwicklers reagiert.
Michael Schroth führt zuerst in die gegenwärtige Bedeutung und Diskussion ums Ehrenamt in der Praktischen Theologie, besonders der freikirchlichen, ein. Daraufhin wendet er die Figurationssoziologie von Norbert Elias mit relativen Abhängigkeiten und Unabhängigkeiten sowie Thematisierung von Machtdynamiken auf aktuelle Umfragen unter Gemeindemitgliedern und Pastor:innen in freien evangelischen Gemeinden an. Dadurch kommen Spannungen zwischen Ideal bzw. Erwartungen und Wirklichkeit, verschiedene Machtdynamiken sowie gerade im pastoralen Umgang ganz unterschiedliche Figurationen in Bezug aufs Ehrenamt zum Vorschein, die sich unterschiedlich den heutigen Gegebenheiten anpassen können.
Dietmar Nowottka greift Michael Schroths Perspektiven auf und fragt insbesondere nach der Funktion des Ehrenamts in der Freikirche. Er stellt den rekursiven Zusammenhang von Freikirche und Ehrenamt heraus. Von dieser Feststellung her fragt er nach gegenwärtigen förderlichen Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement in Bezug auf die Organisation, die Rolle der Hauptamtlichen und dem Interaktion von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen.
Damit heben beide Beiträge die Interaktion und Rolle der Hauptamtlichen als einen wesentlichen Punkt bei der Förderung des Ehrenamts hervor.
In der Predigtwerkstatt zeichnet Pastorin Judith Eggers aus Dortmund den Weg des Glaubens als Weg des Scheiterns, Angenommen seins und (erneuten) Ausprobierens, während sie vor der Selbstoptimierungsfalle warnt. Kommentiert wird sie von Pastorin Lea Herbert, der Leiterin des Dienstbereich Kinder und Jugend im BEFG.
Michael Winarske (Schriftleitung)
Summaries
Michael Schroth: Figurationen des Ehrenamtes in einer Freikirche Verflechtungszusammenhänge, Identitätskonstruktionen und Machtbalancen zwischen Pastor:innen und Ehrenamtlichen in Freien evangelischen Gemeinden: Michael Schroth examines the significance of voluntary work in Free Evangelical Churches by means of the figurational sociology of Norbert Elias. For this purpose, he adopts the theory of figurations with relative dependencies and independencies, as well as thematizing power dynamics from current surveys conducted among church members and pastors. As a result, tensions are brought to light between the ideal/expected and reality, various power dynamics and, especially in pastoral dealings, quite different figurations, all of which can accommodate themselves in varying degrees to current conditions.
Dietmar Nowottka: Wofür ist das Ehrenamt eine Lösung? Referring to Schroth’s article on figurations of voluntary work in free churches, the author examines which organisational functions voluntary work fulfills, and which conditions enhance or hinder its development. He describes the personal motivation for voluntary work as well as the necessity of such work for the survival of the church organisation, before examining the conditions necessary for winning and keeping voluntary workers in societal circumstances which are continually evolving. Among these are the role of the pastor as a leading enabler, where the pastor and voluntary worker complement each other interdependently. Free churches as organisations which depend on voluntary work need to think anew about the conditions under which people are prepared to invest time and energy in serving a common cause.
