Featured

2024, Heft 3: Kongregationalismus konkret: Einheit und Vielfalt, Amt und Ordination

Bildschirmfoto 2024 09 20 um 14.37.29Aufsätze

  • Markus Iff: Einheit und Vielfalt der Kirche. Dogmatische und ökumenische Reflexionen am Beispiel des Bundes Freier evangelischer Gemeinden → English Summary
  • Oliver Pilnei: Die Frage nach Begründung und Funktion des ordinierten Amtes im deutschen Baptismus im Zusammenhang der Einführung eines neuen Berufsstandes → English Summary

Predigtwerkstatt

  • Michael Schroth: Von Nachfolge und Verletzlichkeit. Predigt zu Markus 10, 17-27 
  • Kommentar zur Predigt von Michael Schroth (Friedbert Neese)

Zum Inhalt

In diesem Theologischen Gespräch steht das kongregationalistische Kirchenmodell im Mittelpunkt der theologischen Aufmerksamkeit. Ein Großteil der Freikirchen im deutschsprachigen Raum ist kongregational verfasst und organisiert. Das heißt: Höchste geistliche und theologische Autorität liegt nicht bei kirchlichen Amtspersonen oder bei kirchlichen Leitungsgremien, sondern bei der Gemeindeversammlung, also bei den versammelten Gläubigen der Ortsgemeinde. Daraus resultiert die theologische und geistliche Selbständigkeit der Ortsgemeinde, die im Vollsinne Kirche ist, aber gleichzeitig nicht den Anspruch erhebt, die ganze Kirche zu sein.
Markus Iff, Professor für Systematische Theologie und Ökumenik an der Theologischen Hochschule Ewersbach, entfaltet die kongregationalistischen Grundüberzeugungen aus Sicht des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland (BFeG). Die theologische Betonung der Selbständigkeit der Ortsgemeinde führt bei gleichzeitigem Bewusstsein für die überörtliche und weltweite Dimension der Kirche Jesu Christi zu einem Gemeindeverständnis, in dem Einheit und Vielfalt wesentliche und bleibende ekklesiologische Größen sind. Iff zeigt am Beispiel Freier evangelischer Gemeinden, wie selbständige Ortsgemeinden in ihrem Verhältnis zu überörtlichen Strukturen und zur weltweiten Kirche Jesu Christi in angemessener Weise zugleich Freiheit und Verbindlichkeit leben können.
Oliver Pilnei, Professor für Praktische Theologie an der Theologischen Hochschule Elstal, adressiert mit seinem Beitrag die Frage, welche Rolle das Amt und die Ordination in einem kongregational verfassten Gemeindebund spielen können. Er legt im Kontext des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (BEFG) eine theologische Begründung des ordinierten Amtes dar, und zwar ausgehend von der kongregationalistischen Kernüberzeugung des Priestertums aller Gläubigen. Pilnei zeigt, warum das Priestertum aller Gläubigen nicht als theologisches Gegenmodell zum Amt verstanden werden muss, sondern geradezu als dessen theologische Begründung dienen kann. Diese theologischen Überlegungen werden von ihm dann mit den neueren Entwicklungen im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden kritisch ins Gespräch gebracht, nämlich mit der 2023 beschlossenen Einführung eines neuen öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses.
In der aktuellen Predigtwerkstatt bringt Michael Schroth (BFeG), Professor für Praktische Theologie an der Theologischen Hochschule Ewersbach, in seiner Predigt zu Markus 10, 17-27 die Begriffe Nachfolge und Verletzlichkeit miteinander ins Gespräch, und Pastor i. R. Friedbert Neese (BEFG) bespricht die Predigt erfahren und differenziert. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern eine erkenntnisreiche und weiterführende Lektüre.
Maximilian Zimmermann (Schriftleitung)
 

Summaries

Markus Iff: Einheit und Vielfalt der Kirche. Dogmatische und ökumenische Reflexionen am Beispiel des Bundes Freier evangelischer Gemeinden: The article develops the basic congregational beliefs of evangelical free-church ecclesiology. The theological emphasis on the independence of the local church while remaining conscient of the regional and world-wide dimensions of the Church of Jesus Christ leads to an understanding of the church in which unity and diversity are substantial and permanent ecclesiastical values. The author shows, using the example of the Free Evangelical Churches, how unity and diversity may be understood as an expression of a congregationalist understanding of church, and in what manner independent congregations may live appropriately with respect to regional structures and to the worldwide Church of Jesus Christ in freedom and with engagement.

Oliver Pilnei: Die Frage nach Begründung und Funktion des ordinierten Amtes im deutschen Baptismus im Zusammenhang der Einführung eines neuen Berufsstandes: This article presents a theological rationale of the ordained office in the context of the German Baptist churches, starting with the congregationalist core belief in the priesthood of all believers. Oliver Pilnei shows why the priesthood of all believers should not be understood as a theological model opposing the idea of office in the Church, but can be understood rather as a theological foundation of an understanding of office within the framework of a congregationalist understanding of the local church. The author then brings these theological reflections into a critical dialogue with recent developments within the Union of Evangelical Free Churches in Germany, namely with the introduction of a new publicly authorized professional group, as determined by the General Council of the Union in 2023.