2022, Heft 3: Ökumene

Aufsätze

  • Albrecht Haizmann: Arbeitsgemeinschaft - Was die Gesellschaft zusammenhält und die Kirchen zusammenbringt → English Summary
  • Uwe Swarat: Zwanzig Jahre Charta Oecumenica und die bleibende Hoffnung auf größere Einheit → English Summary

Predigtwerkstatt

  • Julian Kaiser: Wurzeln schlagen und Frucht bringen. Predigt über Psalm 1
  • Kommentar zu Predigt von Julian Kaiser zu Pslam 1 (Miriam John)

Zum Inhalt

Freikirchliche Gemeinden haben sich in Deutschland im 19. Jahrhundert in Abgrenzung zu den bestehenden Staatskirchen entwickelt. Bis heute findet man bei ihnen ein ausgeprägtes konfessionelles Selbstbewusstsein, das in meist überschaubaren Gemeinschaften von engagierten Christen gelebt wird. Trotz dieser Tendenzen haben sich Freikirchen seit ihren Anfängen immer wieder für ein konfessionsübergreifendes ökumenisches Miteinander mit anderen Christen und Kirchen eingesetzt, z.B. in der „Evangelischen Allianz“ oder in der „Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen“ (ACK), die sie beide mitbegründet haben. Als bibellesende Christen finden sie vor allem im Neuen Testament deutliche Hinweise darauf, dass die Einheit der Nachfolger Jesu ein elementar wichtiges Anliegen ihres Herrn und seiner Apostel war und ist. Dazu kommen natürlich die Erfahrungen der eigenen Begrenztheit und der Horizonterweiterung durch andere Christenmenschen. Die Chancen der ökumenischen Perspektive und Zusammenarbeit werden in den beiden Aufsätzen in diesem Heft vor Augen geführt.

PD Dr. Albrecht Haizmann, Pfarrer in der württembergischen Landeskirche und Geschäftsführer der ACK Baden-Württemberg, überträgt in seinem Aufsatz „Arbeitsgemeinschaft ­– Was die Gesellschaft zusammenhält und die Kirchen zusammenbringt“ die Erkenntnisse des amerikanisch-britischen Soziologen Richard Sennett zum Thema „Zusammenarbeit“ auf die Arbeit der Ökumene und zeigt damit die außerordentliche Sinnhaftigkeit der Benennung „Arbeitsgemeinschaft“ auf. Zum anderen findet man in diesem Heft den Artikel „Zwanzig Jahre Charta Oecumenica und die bleibende Hoffnung auf größere Einheit“ von Prof. Dr. Uwe Swarat, Professor für Systematische Theologie und Dogmengeschichte an der Theologischen Hochschule Elstal (seit August d.J. im Ruhestand), – ursprünglich ein Vortrag beim informellen „Runden Tisch“ von Kirchenleitern in Österreich, in dem er die Entstehung und die inhaltlichen Impulse der Charta Oecumenica erläutert und die „Freikirchen“ dazu ermutigt, mit ihr den Weg eines besseren kirchlichen Miteinanders zu gehen „und zwar unabhängig davon, ob es sich um eine Mehrheits- oder eine Minderheitskirche handelt“ (S. 137).
In der Predigtwerkstatt steht in diesem Heft der Psalm 1 im Mittelpunkt, mit der Predigt „Wurzeln schlagen und Frucht bringen“ von Julian Kaiser, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Stuttgart, und dem Kommentar von Miriam John, Pastorin der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Holzminden.

Michael Kißkalt (Schriftleiter)

Summaries

Albrecht Haizmann: Arbeitsgemeinschaft - Was die Gesellschaft zusammenhält und die Kirchen zusammenbringt: In this article, ecumenical cooperation is examined on the basis of statements of the sociologist Richard Sennett regarding the term cooperation, exemplifying this using the case of the Working Group of Christian Churches in Baden-Württemberg. Parallels to social and political movements are discussed. Whereas in most countries, national Ecumenical Councils have been founded, the Germans have taken another route in founding the Ecumenical Working Groups. The author discerns here a preference for a more practical, power balancing and synergetic, and less theoretical or political approach. Thus, the ecumenical work in Baden-Württemberg is practical and oriented towards the grass roots, and demonstrates the fact that in Germany there are not only the two main denominations, but also a multitude of member churches.

Uwe Swarat: Zwanzig Jahre Charta Oecumenica und die bleibende Hoffnung auf größere Einheit: The Charta Oecumenica was compiled as a primarily European document in 2001 and was signed by representatives of the Roman Catholic Church and the Conference of European Churches. It confesses the universal Church of Christ, calls for fellowship among the churches and emphasises the responsibility of European Christians for the development of Europe. Among its political tasks, reconciliation and the preservation of creation are particularly highlighted. The Charta calls for fellowship with Judaism and relations with Islam. It holds its obligations to conducting dialogue and maintaining cooperation, can offer orientation and stimulation in national contexts, and contribute to the development of the spiritual heritage of Christianity as an inspirational force for the benefit of Europe.