2016, Heft 4: Freikirchen in zwischenkirchlichen Beziehungen - neue Entwicklungen

Aufsätze

  • Markus Iff: Reformatorisches Erbe und Perspektiven für Gemeinschaft in Zeugnis und Dienst. Freie evangelische Gemeinden (FeG) und die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) → English Summary
  • Oliver Pilnei: Neue Entwicklungen in der baptistischen Tauftheologie und Taufpraxis  → English Summary
  • Walter Klimt: Freikirchen in Österreich. Eine weltweit einzigartige Kirche  → English Summary

Predigtwerkstatt

  • Marcus Schäfer: "Schätze sammeln - was sich zu sammeln lohnt". Predigt über Matthäus 6, 19-24
  • Kommentar zur Predigt von Marcus Schäfer (Bernd Densky)

Zum Inhalt

Evangelische Freikirchen, wie sie sich im Bund Evangelisch-Freikrichlicher Gemeinden (BEFG) oder im Bund Freier evangelischer Gemeinden (BFeG) zusammenfinden, sind in kritischer Abgrenzung zu den prostestantischen Staats- und Landeskirchen entstanden. Trotzdem war ihnen immer bewusst, dass die Kirche Jesu Christi größer ist als ihre eigenen Gemeinschaften. Von Anfang an haben sie die interkonfessionelle Vernetzung gesucht, anfangs vor allem in der Evangelischen Allianz, aber auch in gemeinsamen Aktivitäten mit anderen Kirchen und Missionsverbänden. 
Dr. MARKUS IFF, Professor für Systematische Theologie und Ökumenik an der Theologischen Hochschule des BFeG Ewersbach, beschreibt in seinem Artikel "Reformatorisches Erbe und Perspektiven für Gemeinschaft in Zeugnis und Dienst - Freie evangelische Gemeinden (FeG) und die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE)", wie sich diese Freikirche im Gespräch mit dem europäischen Verband von lutherischen, Reformierten, unierten und methodistischen Kirchen öffnet, dabei aber auch ihr konfessionelles Erbe deutlich zur Sprache bringt. 
Dass der Prozess des freikirchlichen Diskurses auch das theologische Selbstverständnis der Freikirchen in Bewegung bringt, zeigt der Artikel von Dr. OLIVER PILNEI: "Neue Entwicklungen in der baptistischen Tauftheologie und Taufpraxis". Pilnei, Leiter der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie in Elstal, vertritt den BEFG in diversen zwischenkirchlichen Gesprächen. 
Eine andere Entwicklung erleben die Baptisten in Österreich, die sich zusammen mit anderen Freikirchen zu "Freikirchen in Österreich" zusammengeschlossen haben, um in Österreich anerkannte Kirche zu sein. WALTER KLIMT, Generalsekretär des Baptistenbundes in Österreich, ehrenamtlicher Pastor in der baptistischen Projekt:Gemeinde in Wien, ehemaliger Vorsitzender von "Freikirchen in Österreich" und deren derzeitiger Kassierer, beschreibt den Prozess des Zusammenwachsens der Freikirchen und dessen theologische Hintergründe. 
In der Predigtwerkstatt wird eine Predigt von MARCUS SCHÄFER, Pastor der FeG Ewesbach, zum "Schätze sammeln" (Mt 6,19-24) präsentiert. Aus verschiedensten theologischen Blickwinkeln wird die Predigt kommentiert von BERND DENSKY, Pastor im BEFG und derzeit freikirchlichen Referent der Ökumenischen Centrale (Geschäftsstelle der ACK) in Frankfurt am Main.
So will diese Ausgabe des THEOLOGISCHEN GESPRÄCHS dazu ermutigen, sich dem zwischenkirchlichen Diskurs zu öffnen und keine Angst vor Veränderungen zu haben. Nur Kirchen und Gemeinden, die im Gespräch mit anderen sind, können sich den aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen stellen und sich dabei in Treue zu sich selbst weiterentwickeln. 
Michael Kisskalt (Schriftleitung)

Summaries

Markus Iff: Reformatorisches Erbe und Perspektiven für Gemeinschaft in Zeugnis und Dienst. Freie evangelische Gemeinden (FeG) und die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE): The „Fellowship of Protestant Churches in Europe“, formerly Leuenberg Concord, has a common view of the Church and its task. This embraces also the baptist free-churches which share the reformation heritage of a fellowship of believers with a common understanding of the gospel and their emphasis of the necessity of the Church to partake in the missio dei. There remain differences in the organization of the church and in understanding of faith and baptism. While the nota ecclesiae of the reformation are affirmed by the free churches, the question remains as to how the faithful should be recognized as believers, a concern, which Calvin also expressed. The understanding of baptism as held e. g. by the Free Evangelical Churches, even while taking all possible account of the conscience of the individual, is markedly different. Nevertheless a common witness and common service are possible.
 
Oliver Pilnei: Neue Entwicklungen in der baptistischen Tauftheologie und Taufpraxis: The theology and the practical form of baptism have been approached in various ways by German Baptist churches, whereby all have credobaptism as their basis. The question of whether church membership may be open to those baptized as infants has now be affirmed by over half of the churches. In theological conversations, in particular with the Lutherans, common points (such as God’s activity as fundament of baptism) and differing views (such as assurance of salvation in the baptism of infants) have become clear. A possible solution may lie in understanding the Christian life as a continuous initiation, in which God acts in an appropriate manner in the individual stages and humans respond accordingly. In Sweden paedo- and credobaptist free churches have united to form a common church and have found such a way.
 
Walter Klimt: Freikirchen in Österreich. Eine weltweit einzigartige Kirche: Austria, once a centre of the counter-reformation, was long culturally and legislatively hostile to the protestant churches. Even though laws were passed in 1861 and 1961 to make protestant church life possible, free-churches were refused legal recognition throughout the 20th century and applications for recognition were ignored. New basic laws after the entry into the European Union in 1995 created legal security, but included barriers, which were for individual free-churches insurmountable. In a worldwide unique manner, five free-churches, having discovered common substantial areas of agreement, unified themselves in an organization, retaining thereby their internal independence, and received recognition from the state. In the last 30 years the free-churches have experienced a massive church growth.