Aufsätze
- Michael Nausner: Vom Zusammenwirken alles Erschaffenen. Ein theologisches Plädoyer für die Weitung des politischen Raumes → English Summary
- Heinrich Christian Rust: Spiritualität in der Schöpfungsgemeinschaft → English Summary
Predigtwerkstatt
- Christian Bouillon: Zwischen den Zeiten. Predigt zu Exodus 13, 20-22
- Kommentar zur Predigt von Christian Bouillon zu Exodus 13, 20-22 (Andrea Klimt)
Zum Inhalt
Fragen um die Erhaltung der Schöpfung und eine verantwortungsvolle Ökologie beschäftigen die Menschen seit etlichen Jahrzehnten. Auch die christliche Theologie hat sich zunehmend dieses Themas angenommen. Ausgangspunkt war dabei die über viele Jahrhunderte vorherrschende Perspektive einer Trennung zwischen der Schöpfung einerseits und dem Menschen, der über die Schöpfung herrscht und sie gestaltet, andererseits. Mehr und mehr wurde dann im 20. Jahrhundert das „Herrschen“ des Menschen über die Schöpfung im Sinne eines schützenden und bewahrenden menschlichen Agierens gedeutet. Auch hierbei blieb die Schöpfung allerdings nach wie vor Objekt des menschlichen Handelns. In der neueren Schöpfungstheologie ist man daher sehr darum bemüht, die Schöpfung als ein Subjekt wahrzunehmen, zu dem auch der Mensch gehört und das er nicht von sich weg objektivieren kann. Die in diesem Heft vorliegenden Aufsätze zeigen die politischen und die spirituellen Implikationen dieser neuen Sicht der Schöpfung auf.
Der methodistische Theologe Prof. MICHAEL NAUSNER (Ph.D.), Forscher an der Einheit für Forschung und Analyse der Schwedischen Kirche in Uppsala und affiliierter Professor für Systematische Theologie an der Theologischen Hochschule in Stockholm, diskutiert in seinem Aufsatz „Vom Zusammenwirken alles Geschaffenen. Ein theologisches Plädoyer für die Weitung des politischen Raumes“ den Vorwurf der fehlenden Relevanz der christlichen Theologie in politischen und ökologischen Fragen und argumentiert aus theologischer Perspektive, wie man der Schöpfung in der politischen Diskussion eine Stimme geben kann und muss. Der zweite Aufsatz von Dr. HEINRICH CHRISTIAN RUST, Pastor i.R. im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden und theologischer Dozent, skizziert die Entwicklung der Schöpfungstheologie in der Ökumene und gibt biblisch und theologisch fundierte Anregungen für ein Nachdenken über „Spiritualität in der Schöpfungsgemeinschaft“.
In der Predigtwerkstatt wird, wie im letzten Heft, eine Predigt anlässlich eines Gottesdienstes zum Abschluss des Studiums und zum Semesterende an einer Theologischen Hochschule vorgestellt. Der Predigt „Zwischen den Zeiten“ von CHRISTIAN BOUILLON, Dozent für Praktische Theologie an der Theologischen Hochschule Ewersbach, liegt als biblischer Text Exodus 13, 20-22 zugrunde. Kommentiert wird die Predigt von Prof. Dr. ANDREA KLIMT, Professorin für Praktische Theologie an der Theologischen Hochschule Elstal.
Michael Kißkalt (Schriftleitung)
Summaries
Michael Nausner: Vom Zusammenwirken alles Erschaffenen. Ein theologisches Plädoyer für die Weitung des politischen Raumes: In this paper, the author takes issue with some ideas of Hägglund and argues instead that the old biblical prophetic heritage is not fixated on the hereafter, but stands rather for justice for all humankind in this life. „Nature“ cannot be separated from the entirety of human activity. The embedding of human activities in the ecology of the earth is the political sphere. Following the great cosmic redeemer Jesus Christ implies divine-human-cooperation as a synergy between God and creation. In the political process, all agents on the whole religious-secular spectrum must work together. The extension of the range and agents in the political sphere is linked with the central question to what extent non-human natural phenomena may be adjudged to possess subjectivity and legal rights.
Heinrich Christian Rust: Spiritualität in der Schöpfungsgemeinschaft: Spirituality in the fellowship of creation requires a responsible ethic of ecology, which has been deficient until now. Pertinent impulses do however exist, in particular by Teilhard de Chardin, Jürgen Moltmann, in the WCC and recently by Pope Francis. The relationship between humans and creation from a biblical perspective must be clarified by means of a rereading of the relevant passages. Thus, the mandate to rule over creation found in the creation passages must take as their basis the New Testament model of lordship through service. Ideas on creation should take the second creation at the fulfilment of all things into consideration. Knowledge of God presupposes love towards God; this love applies also to the Spirit, who traverses all creation and vitalises it. This gives rise to suffering-with and hoping-with creation.