2016, Heft 1: Babel und Bild

  • Michael Rohde: 40 Jahre Thelogisches Gespräch. Rückblick und Ausblick im Jubiläumsjahr

Aufsätze

  • Uwe Swarat: Der Babel-Bibel-Streit (1902-1905). Eine öffentlichkeitswirksame wissenschaftliche Debatte aus baptistischer Perspektive - damals und heute → English Summary
  • Frauke Reinke-Wöhl: Christusbilder in der europäischen Kunstgeschichte - Das Bildnis im Wandel → English Summary

Predigtwerkstatt

  • Raphael Vach: "Unterwegs mit Gott - weil er Freude macht." Predigt über Nehemia 8,9-12
  • Kommentar zur Predigt von Raphael Vach (Lena Tontchev)

Zum Inhalt

Es gibt kaum wissenschaftliche Beiträge, die eine solche Kontroverse und breite Aufmerksamkeit erzielt haben, wie die beiden Vorträge des Assyrologen Friedrich Delitzsch (1850-1922), die 1902 und 1903 in Berlin gehalten worden sind. Der Kulturwettkampf der Kolonialmächte um archäologische Funde im Nahen Osten hat mit dazu beigetragen, dass großartige Entdeckungen gemacht wurden. Die Auswertung und Bewertung von Delitzsch haben die Wissenschaft des Alten Testaments und die Kulturwissenschaften und Religionswissenschaften herausgefordert, das Verhältnis von Bild, Bibel und Überlieferung zu bestimmen.
UWE SWARAT fasst die Positionen des sog. Babel-Bibel-Streites zusammen und richtet darüber hinaus seine Aufmerksamkeit auf baptistische Reaktionen aus der Zeit von Delitzsch. Abschließend nimmt er Stellung, welches Recht und welche Bedeutung die damaligen Diskussionsfragen aus der gegenwärtigen Perspektive haben. Uwe Swarat ist Professor für Systematische Theologie an der Theologischen Hochschule Elstal und beschäftigt sich immer wieder mit hermeneutischen und historischen Themen, die für das Verständnis von Bibel und gegenwärtiger christlicher Lehre Bedeutung haben. 
Zwischen dem Babel-Bibel-Streit und dem zweiten Beitrag in dieser Ausgabe gibt es eine gewisse Verbindung. Ohne das anschauliche Bildmaterial (und die Quellentexte) aus Babylon hätte es den Streit um Delitzsch nicht gegeben. Die Kunsthistorikerin FRAUKE REINKE-WÖHL hat eigens für das THEOLOGISCHE GESPRÄCH Bilder anderer Art analysiert: Sie gibt einen Überblick über die Merkmale von Christusbildern in der europäischen Kunstgeschichte. Dazu stellt sie typische Motive heraus wie Christus als Weltenherrscher oder als guter Hirte und charakterisiert Bildepochen und deren Maler wie Rembrandt und Dürer mit ihren Merkmalen. Der Herausgeberkreis hat diesen Beitrag gerne aufgenommen, verbindet sich so mit dem Themenjahr 2015 "Reformation - Bibel und Bild" der Reformationsdekade und eröffnet einen freikirchlichen Gesprächshorizont. Frauke Reinke-Wöhl hat ein Masterstudium in Kunstgeschichte, Französisch und Praktischer Theologie an der Universität Hamburg absolviert und arbeitet als freischaffende Kunsthistorikerin in Norddeutschland. 
Die Predigtwerkstatt wird in dieser Ausgabe von zwei jüngeren Predigern gefüllt. RAPHAEL VACH (Jahrgang 1981) ist Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Neukirchen-Vluyn. Seine Predigt zu Nehemia 8 wurde zum Abschluss der Allianz-Gebetswoche 2013 in Neukirchen-Vluyn gehalten. Kommentiert wird sie von Pastorin LENA TONTCHEV (Jahrgang 1985), die in der baptistischen Bethel-Gemeinde in Berlin-Friedrichshain arbeitet. 
Michael Rohde (Schriftleitung)

Summaries

Uwe Swarat: Der Babel-Bibel-Streit (1902-1905). Eine öffentlichkeitswirksame wissenschaftliche Debatte aus baptistischer Perspektive - damals und heute: Swarat depicts the so-called Babel-Bible-Dispute, which arose from the widely regarded talks between 1902 and 1905 held by the Assyriologist Friedrich Delitzsch on the influence of the culture and religion of Babylon on the content and formation of the Old Testament. These talks triggered a wide public resonance, reaching into the family of the Kaiser, as well as academic discussions among theologians and experts in the history of the ancient Near East. These discussions led to a largely critical view of the revelatory character of the Old Testament. Swarat then concentrates on the baptist reception of the dispute. Retrospectively he agrees with Delitzsches observations but not with his conclusions. Swarat concludes by stating that historical conditionality does not exclude the bible’s claim to be revelation.
 
Frauke Reinke-Wöhl: Christusbilder in der europäischen Kunstgeschichte - Das Bildnis im Wandel: The art historian Reinke-W.hl presents the distinguishing marks of the representations of Christ in history of European art. In her admittedly subjective foray through the epochs and styles she introduces not only the type of the Good Shepherd, Christus Pantokrator, and the icons as well as book illustrations, but also the particularities of the representations of Christ in the reformation (and counter-reformation). She pays special attention to the works of Dürer, Rembrandt and the romantic-idealistic works of the Nazarene movement. The author consider some of the provocative representations of Christ in the 20th century and concludes with a glance over the European horizon to recent Latin American and Australian works.