Die evangelische Christenheit feiert in diesem Jahr 500 Jahre Reformation. Auch für die evangelischen Freikirchen it das Gedanken an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren ein bedeutsames Datum, denn sie verstehen sich als erben der Reformation und als eigenständige Ausprägung des evangelischen Christentums. Darum liegt es nahe, dass auch das THEOLOGISCHE GESPRÄCH sich diesem Thema widmet und zwar besonders aus freikirchlicher Perspektive.

Die Bibel als Wort Gottes spielt für die Entstehung und die Existenz der evangelischen Freikirchen eine zentrale Rolle. In dieser Ausgabe wird das Thema der Heiligen Schrift mit der Hermeneutik Martin Luthers verbunden, zuerst im Blick auf Luthers Auslegung von Römer 12,13 und dann in Hinsicht auf Luthers Ansatz des Erlernens der biblischen Aussagen am Beispiel seines Kleinen Katechismus. Zwei Aufsätze machen deutlich, wie sich freikirchliche Theologie und Praxis in einer kritisch konstruktiven Auseinandersetzung mit den reformatorischen Impulsen entwickeln.

Einen Bezug zu aktuellen Herausforderungen wählt Prof. Dr. GERT STEYN, seit März 2017 Professor für Neues Testament an der Theologischen Hochschule Ewersbach, wenn er Luthers Auslegung der „Gastfreundschaft“ (Röm 12,13) als „Feindesliebe“ mit modernen exegetischen Erkenntnissen verbindet. Besonders wichtig ist Steyn das exegetisch gebotene aktive Gewähren von Gastfreundschaft, auch im Blick auf die Flüchtlinge, die nach Deutschland gekommen sind.

Von Luthers Kleinem Katechismus herkommend thematisiert Prof. Dr. ANDREA KLIMT, Professorin für Praktische Theologie an der Theologischen Hochschule Elstal, das Ringen der Baptisten in Deutschland in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Frage, inwiefern es in den neu entstandenen Baptistengemeinden eine Art Glaubenskatechismus geben sollte. Einerseits erkannte man den Wert eines „Katechismus“ für die Glaubensbildung, andererseits sah man zentrale Werte der eigene Glaubensüberzeugung, wie die Autonomie der Ortsgemeinde, die Mündigkeit des einzelnen Christen, die Religionsfreiheit und die absolute Stellung der Heiligen Schrift in Gefahr. Die pädagogischen Notwendigkeiten haben dann doch dazu geführt, dass zunächst ein „Leitfaden“ und damit auch eine Art Katechismus für den Religionsunterricht entwickelt wurde.

Wie Glaubensinhalte für die heutige Jugend gepredigt werden können, zeigt die Predigt über „Gott al Heimatgeber“ (Joh 14,1-3) von UDO REHMANN, Leiter des Gemeindejugendwerkes des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, bei der Eröffnung des Bundesjugendtreffens in Otterndorf im Juli 2016. Kommentiert wird die Predigt von ALEXANDER GIMBEL, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde in Markt Schwaben.

So versteht sich diese Ausgabe des THEOLOGISCHEN GESPRÄCHS als Einladung zum dankbaren, konstruktiven und kritischen Gedenken von 500 Jahren Reformation.

Michael Kißkalt (Schriftleitung)

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