Es gibt kaum wissenschaftliche Beiträge, die eine solche Kontroverse und breite Aufmerksamkeit erzielt haben, wie die beiden Vorträge des Assyrologen Friedrich Delitzsch (1850-1922), die 1902 und 1903 in Berlin gehalten worden sind. Der Kulturwettkampf der Kolonialmächte um archäologische Funde im Nahen Osten hat mit dazu beigetragen, dass großartige Entdeckungen gemacht wurden. Die Auswertung und Bewertung von Delitzsch haben die Wissenschaft des Alten Testaments und die Kulturwissenschaften und Religionswissenschaften herausgefordert, das Verhältnis von Bild, Bibel und Überlieferung zu bestimmen.

UWE SWARAT fasst die Positionen des sog. Babel-Bibel-Streites zusammen und richtet darüber hinaus seine Aufmerksamkeit auf baptistische Reaktionen aus der Zeit von Delitzsch. Abschließend nimmt er Stellung, welches Recht und welche Bedeutung die damaligen Diskussionsfragen aus der gegenwärtigen Perspektive haben. Uwe Swarat ist Professor für Systematische Theologie an der Theologischen Hochschule Elstal und beschäftigt sich immer wieder mit hermeneutischen und historischen Themen, die für das Verständnis von Bibel und gegenwärtiger christlicher Lehre Bedeutung haben. 
Zwischen dem Babel-Bibel-Streit und dem zweiten Beitrag in dieser Ausgabe gibt es eine gewisse Verbindung. Ohne das anschauliche Bildmaterial (und die Quellentexte) aus Babylon hätte es den Streit um Delitzsch nicht gegeben. Die Kunsthistorikerin FRAUKE REINKE-WÖHL hat eigens für das THEOLOGISCHE GESPRÄCH Bilder anderer Art analysiert: Sie gibt einen Überblick über die Merkmale von Christusbildern in der europäischen Kunstgeschichte. Dazu stellt sie typische Motive heraus wie Christus als Weltenherrscher oder als guter Hirte und charakterisiert Bildepochen und deren Maler wie Rembrandt und Dürer mit ihren Merkmalen. Der Herausgeberkreis hat diesen Beitrag gerne aufgenommen, verbindet sich so mit dem Themenjahr 2015 "Reformation - Bibel und Bild" der Reformationsdekade und eröffnet einen freikirchlichen Gesprächshorizont. Frauke Reinke-Wöhl hat ein Masterstudium in Kunstgeschichte, Französisch und Praktischer Theologie an der Universität Hamburg absolviert und arbeitet als freischaffende Kunsthistorikerin in Norddeutschland. 
die Predigtwerkstatt wird in dieser Ausgabe von zwei jüngeren Predigern gefüllt. RAPHAEL VACH (Jahrgang 1981) ist Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Neukirchen-Vluyn. Seine Predigt zu Nehemia 8 wurde zum Abschluss der Allianz-Gebetswoche 2013 in Neukirchen-Vluyn gehalten. Kommentiert wird sie von Pastorin LENA TONTCHEV (Jahrgang 1985), die in der baptistischen Bethel-Gemeinde in Berlin-Friedrichshain arbeitet. 
Michael Rohde (Schriftleitung)

Social Share: