Zu einem lebendigen christlichen Glauben gehören sowohl die theologische Reflexion als auch der Gottesdienst mit seinen affektiven Elementen wie z.B. dem gottesdienstlichen Gesang. Bei den alten Kirchenliedern, die man auf einer Gesangsbuchseite vor Augen hat, fällt einem der theologische Gehalt sehr schnell auf, nicht zuletzt wegen ihrer alten Sprachformen.

Bei den neueren christlichen Liedern kann man den theologischen Gehalt nicht so leicht erfassen, denn sie erscheinen meist ncit als komplettes Lied, sondern nur zeilenweise auf der Leinwand. Außerdem sind die modernen Anbetungslieder oft recht kurzlebig. Dennoch transportieren diese Lieder theologische Inhalte, die man als Christ bei Singen in sich aufnimmt. Dementsprechend kann christliche Musik die Vernunft und die Emotion der Menschen lenken: im negativen Sinne einengen oder auch positiv weiten. Den Verantwortlichen in den Kirchen und Gemeinden obliegt die Aufgabe, auf eine Ausgewogenheit der theologischen Botschaft der Anbetungslieder im Gottesdienst zu achten. Darum lohnt es sich, Musik und Theologie zusammen zu denken. Diesem Desiderat versucht diese Ausgabe des THEOLOGISCHEN GESPRÄCH nachzukommen, indem sie die musiktheologische Forschungsarbeit eines holländischen Theologen in deutscher Übersetzung veröffentlicht und diesem Aufsatz die Reflexionen von zwei christlichen Musikern zur Seite stellt.

In seinem Aufsatz analysiert HANS RIPHAGEN, Missionssekretär des niederländischen Baptistenbundes und Doktorand an der Vrije Universiteit Amsterdam, die im Jahr 2012 fünfzig beliebtesten Anbetungslieder in den USA hinsichtlich theologischen Inhalte. Auch für den deutschen Kontext sechs Jahre später sind seine Wahrnehmungen sehr relevant. Die Analysen schärfen den Blick für das in den Gemeinden heute gebräuchliche Liedgut und ermutigen dazu, für die Auswahl der Lieder im Gottesdienst auch theologische Gesichtspunkte geltend zu machen.

Wie sich das christliche Liedgut besonders in den deutschen Freikirchen in den letzten Jahrzehnten verändert hat und welche theologischen Verschiebungen hier zu beobachten sind, stellt der Liedermacher und Journalist MARTIN BUCHHOLZ dar. JAN PRIMKE, ebenfalls in der christlichen Szene als Musiker unterwegs, führt ein in die verschiedenen Vernetzungen und Strukturen des christlichen Musikbetriebs, wie sie sich im deutschen Raum in den letzten Jahren entwickelt haben, und ermutigt zum Dialog über Musikvorlieben in den Gemeinden.

Die Predigtwerkstatt bietet eine Predigt von JOACHIM GNEP, Leiter des Dienstbereichs Mission im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, zu der Geschichte der Salbung Jesu durch die Sünderin (Lk. 7,36-50). Den Kommentar dazu liefert PHILIPP HERRMANNSDÖRFER, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Düsseldorf.

Zum Schluss noch der wichtige Hinweis, dass das THEOLOGISCHE GESPRÄCH beim Oncken-Verlag zu einem reduzierten Preis auch digital als PDF bezogen werden kann.

Michael Kißkalt (Schriftleitung)

Social Share: