Gemeindeaufbau, Gemeindeentwicklung – das waren bis vor einigen Jahren die Stichworte, die die praktisch-theologische Debatte um Gestalt und Auftrag der Kirche bestimmt haben. Seit den 90iger Jahren trat immer stärker der Begriff der Kirchentheorie in den Vordergrund der theologischen Diskussion. Eine Besonderheit dieser Diskussion ist ihr interdisziplinärer Charakter: Hier kommunizieren die akademischen Disziplinen der Theologie miteinander, aber auch Fragestellungen aus nicht-theologischen Wissenschaftsfeldern, wie z.B. der Soziologie und der Ökonomie, werden mitbedacht. Dabei wird natürlich, wie schon im früheren Diskurs zur Gemeindeentwicklung, nicht übersehen, dass die christliche Kirche nicht nur eine institutionelle, sondern auch eine geistliche Größe ist, dass sie also in einem „Transzendenzbezug“ steht, der in den vorliegenden Kirchentheorien nicht übersehen wird, auch wenn dieser darin mehr oder weniger stark Berücksichtigung findet. Ein spezifisch freikirchlich kirchentheoretischer Beitrag stand bisher aus.

Ein erster Schritt, diese Lücke zu schließen, ist der vorliegende Aufsatz „Frei-evangelische Kirchentheorie“ von drei Autoren aus dem Bund Freier evangelischer Gemeinden. Er stellt als „Werkstattbericht“ eine kurze Zusammenschau eines Oberseminars an der Theologischen Hochschule Ewersbach dar, das Prof. Dr. ANDREAS HEISER, Professor für Kirchengeschichte in Ewersbach, Prof. Dr. MARKUS IFF, Professor für Systematische Theologie in Ewersbach und Michael Schroth, Doktorand im Fach Praktische Theologie an der Universität in Bonn, gemeinsam verantwortet haben. Der Aufsatz bietet zuerst einen Überblick über die bisherigen Veröffentlichungen zum Thema Kirchentheorie. Im Folgenden wird dann mithilfe von Kategorien, die die Kirchentheorie-Diskussion bietet, die geschichtliche Genese und Theologie des Evangelischen Brüdervereins skizziert, „einer frei-kirchlichen Sozialgestalt des christlichen Glaubens, die erheblichen Einfluss auf die Strukturen der Freien evangelischen Gemeinden in der Phase ihrer Entstehung hatte“ (S.?). Ein Spezifikum dieser Sozialgestalt von Kirche ist die besondere Rolle des Glaubens, die aus systematisch-theologischer Sicht nachgezeichnet wird.

Der Predigtwerkstatt liegt eine Taufpredigt von JOCHEN SCHMIDT, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Würzburg, zugrunde. Die Predigt über Matthäus 13,45-46 hat das Thema: Alles auf eine Karte. Von DIRK LÜTTGENS, Pastor einer Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in Berlin-Spandau, wird sie kommentiert.

Michael Kißkalt (Schriftleitung)

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